Mallorca – ¡Sí, por favor!

Mitte Oktober war es so weit: mein erstes Mal auf Mallorca. Sonne, Meer, Golfplatz (ja, wirklich!) und natürlich – Rennrad. Genau genommen mit meinem Gravel, ausgerüstet mit 34-mm-Reifen für die Strasse, für mich die absolut richtige Entscheidung! Egal, wie ruppig die Strassen teilweise waren oder wenn ich mal über einen Kiesweg abgebogen bin – das machte meinem Gravel keine Probleme.

Wie es sich gehört, bin ich Sa Calobra gefahren. Das muss man machen, sonst darf man angeblich nicht mehr nach Hause fliegen. Dann noch Cap Formentor, das bis Ende Oktober fast autofrei ist. Klingt ruhig, wäre da nicht halb Europa mit dem Velo unterwegs gewesen. Gran Fondo-Gefühl inklusive. Aber traumhaft schön ist es!

Mallorca hat jedoch noch viel mehr zu bieten. Ich entdeckte Orient, Randa, die traumhafte Küstenstrasse zwischen Valldemossa und Andratx, sowie Sant Salvador. Und spätestens dort war klar: ich habe mich verliebt – in diese kleinen Strassen und Anstiege.

Spontan – ja, das bin ich!

Zurück in der Schweiz, eine Woche Alltag – und schwupps: Flug gebucht, Mallorca Runde 2. Diesmal: kein Golf, kein Sightseeing, nur Velo.
Orient und Randa wieder auf der Liste, weil wahre Liebe pflegt man. Dazu noch ein Kaffee in Petra, den Coll de Sóller (sehr schön!) entdeckt sowie viele weitere kleine Anstiege und Strassen.

Und dann kam dieser Moment, in dem der Kopf eine verrückte Idee auswirft und die Beine sie zu spät hören: Warum nicht einmal um ganz Mallorca herumfahren?

Einmal rum – 299 Kilometer und 3800 Höhenmter

Die Tage davor hatte ich schon einige Kilometer gesammelt, also eigentlich keine optimale Vorbereitung. Aber ich stand früh auf, ganz ohne Wecker. Um 4:00 Uhr gab es Haferflocken mit Früchten, um 5:30 rollte ich los.

Arenal im Morgengrauen: Während für die einen die Partynacht gerade endete, startete für mich das Abenteuer. Die ersten rund 115 Kilometer verliefen flach und ruhig durch die Dunkelheit. Zwischendurch meldete sich mein Körper immer wieder: zu müde für die Strecke, erschöpft von den vielen Kilometern und wahrscheinlich immer noch leicht traumatisiert von der schlaflosen Nacht nach einem kleinen emotionalen Drama (ja, auch ich habe mal Herzschmerz). In Arta stoppte ich zum ersten Mal: Kaffee und Ensaimada, das traditionelle Hefegebäck – das war gut!

Danach ging es weiter bis Alcudia und Pollenca, wo ich nach 160 Kilometern Flaschen auffüllte und etwas Kleines ass. Bis hierhin war die Strecke schnell und beinahe zu leicht: 1.000 Höhenmeter in 5 Stunden 40 Minuten. Und genau da merkte ich, dass das Tempo vermutlich etwas zu optimistisch war.

Die Never-Ending Uphill Story

Coll de Femenia? 7,6 km | 420 hm. Zack, erledigt.

Puig Major? 8,2 km | 340 hm. Ja, auch noch – erstaunlich gut sogar.

Coll d’en Vela? 4,0 km | 201 hm. Kurz, aber zäh – Check.

Dann kam die Küstenstrasse. Wunderschön, aber endlos. Mit Anstiegen wie:

Coll de Sa Pedrissa? 6,7 km | 292 hm. Lang, zäh zumindest in meinem Zustand, aber hey, viel Aussicht.

Coll de Sa Gramola? 3,5 km | 167 hm. Noch einer. Klar. Warum nicht.

Und dann kamen noch über zwanzig weitere Mini-Anstiege dazu. Auf der Karte wirkten sie wie kleine Wellen – in echt fühlten sie sich an wie der Himalaya. Irgendwie kam ich über alle noch drüber. Unterwegs traf ich sogar ein bekanntes Gesicht. Ausgesehen habe ich wie ein Salzstein, aber ein kurzes „Hola!“ und ein schnelles Selfie waren noch drin.

Nach 270 Kilometern stoppte ich nochmals knapp nach Andratx für eine Cola und den Versuch, etwas zu essen. Geschmeckt hat nichts mehr, runter ging kaum etwas. Also weiterfahren.

Die letzten 30 Kilometer vergingen überraschend schnell – und dann war es geschafft:

299 km | 3.800 hm | 11 h 24 min
Und ja, tatsächlich waren es über 300 Kilometer – ich habe es nicht so mit dem Start und Stop von meinem Garmin.

Würde ich es wieder tun? Definitiv.

Ich denke sogar schon darüber nach, was als nächstes kommt. Inseln? Kontinente? Man weiss nie. Aber mein Gravel weiss Bescheid: Da kommt noch was.

Nach ein paar weiteren traumhaften Tagen mit dem Velo, Sonnenuntergängen und Ice Cream, ging es zurück in die Schweiz – wo schon fast der Winter wartet. Zeit für warme Handschuhe, Träumen von Ensaimadas und Pläne für das nächste Abenteuer.

Mallorca, wir sehen uns wieder. Ganz bestimmt!